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Unterschiedliche Gesundheitsrisiken bei Männern und Frauen

 

Autorinnen: Ingra Freigang-Bauer und Silke Amann

 

Bisher gibt es nur wenige Analysen, die die Belastungen und Gesundheitsrisiken in verschiedenen Tätigkeitsfeldern nach Geschlechtern trennen. Das sind die Fakten:

Männer: Berufe, die sie vermehrt ausüben, zeichnen sich durch körperliche Belastungen (Zwangshaltung, Heben schwerer Lasten) oder auch technisch-sachliche Anforderungen sowie Führungsaufgaben aus.
Männer werden öfter durch physikalische Faktoren wie Lärm und Vibration gesundheitlich beeinträchtigt.
Männer erleiden häufiger schwere und tödliche Arbeitsunfälle als Frauen (1). So lag der Männeranteil bei den meldepflichtigen Arbeitsunfällen 2003 bei 80 Prozent; bei den tödlichen Arbeitsunfällen waren es sogar auf 93,3 Prozent (2). Das zeigt: in den Berufen mit hohem Gefährungspotenzial arbeiten mehrheitlich Männer.


Frauen arbeiten häufig im Büro- und Verwaltungsbereich, Gesundheitsdienst, Handel, in der Sozialpflege und Reinigung. Zeitdruck, Überstunden, Verantwortung für Menschen, monotone, wiederholende und einfache Tätigkeiten, geringer Handlungsspielraum und ungünstige einseitige Körperhaltung (z.B. Dauerstehen)(3) sind die wichtigsten Belastungen. Frauen arbeiten häufiger auf einer niedrigen Hierarchiestufe mit geringerem sozialen Status und schlechteren Aufstiegschancen (4).
Junge Frauen sind  bei der Arbeit öfters als Männer den verschiedenen Angriffen ausgesetzt (5). Sexuelle Belästigungen erfahren am häufigsten Frauen in männerdominierten Berufen sowie jüngere Frauen (6).

 

  • Individuelles Risikoverhalten:
      Männer rauchen mehr und konsumieren mehr Alkohol und illegale Drogen. Männer begehen deutlich häufiger Selbstmord (7). Frauen sind häufiger medikamentenabhängig.
      Etwa ein Drittel der Frauen und die Hälfte der Männer sind übergewichtig, wobei Übergewicht und insbesondere Adipositas (Fettsucht) mit dem Lebensalter zunehmen. Sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen sind dabei besonders betroffen (8).
  • Psychische Belastungen:
      Frauen zeigen häufiger Anzeichen der Erschöpfung, während Männer etwas häufiger mit Zynismus reagieren. Zum Zusammenhang zwischen Geschlecht und Burnout liegen widersprüchliche Studien vor (9).  Es wurde jedoch festgestellt, dass - bezogen auf die Symptome des Burnouts - die oben gemachten Aussagen zutreffen (10).
  • Mobbing:
      Frauen und jüngere Mitarbeiter/innen bis zu 25 Jahren werden häufiger gemobbt (Mobbing-Report 2003 (11)). 3,5 Prozent der Frauen und nur 2 Prozent der Männer klagen über Mobbing im Betrieb. Am häufigsten werden Auszubildende gemobbt: mit 4,4 Prozent deutlich über dem Durchschnitt.
      Die Folgen: 98 Prozent der Mobbingopfer klagen als Folge über Beeinträchtigungen des Arbeits- und Leistungsvermögens. Mehr als 40 Prozent der Betroffenen erkranken nach eigenen Angaben in Folge von Mobbing. Davon fällt etwa die Hälfte mehr als sechs Wochen aus.
  • Arbeitszeit:
       Frauen arbeiten in Europa durchschnittlich neun Stunden pro Woche weniger als Männer. 20 Prozent der Männer und 10 Prozent der Frauen haben lange Wochenarbeitszeiten von 48 Stunden und mehr (12).
      Aber:
      Die Erholungszeit von Frauen ist verkürzt, weil sie in aller Regel zu Hause die Hauptverantwortung für Familie und Haushalt übernehmen. Die gesamte Zeitbindung durch die bezahlte und die unbezahlte Arbeit zusammen ist bei Frauen mit 43 Stunden pro Woche durchschnittlich etwa eine Stunde höher als bei Männern.
      Bei erwerbstätigen Paaren ohne Kinder arbeiten Frauen täglich etwa eine Dreiviertelstunde länger im Haushalt und für die Familie als die Männer. In Paarhaushalten mit Kindern im Vorschulalter verrichten erwerbstätige Frauen wochentags knapp 11 ½ Stunden Arbeit (Erwerbs- plus Heim- und Familienarbeit). Erwerbstätige Mütter haben durch diese Doppelbelastung ungefähr 1 ¼ Stunden weniger Zeit zum Erholen (13).
      Zu den Auswirkungen der Doppelbelastung auf den Gesundheitszustand liegen unterschiedliche Ergebnisse vor. Es ist jedoch davon auszugehen, dass Familie unter bestimmten Voraussetzungen durchaus eine gesundheitliche Ressource darstellen kann (14).
  • Arbeitsunfähigkeit:
      Atemwegserkankungen sind der häufigste Anlass für Krankschreibungen. Muskel- und Skeletterkrankungen verursachen den größten Teil der Arbeitsunfähigkeitstage (15). An vierter Stelle stehen psychische Störungen (BKK Gesundheitsreport 2005 (16)). Bei Frauen stehen psychische Störungen sogar an dritter Stelle. Ursache hierfür ist sicherlich auch der hohe Anteil an Frauen im Dienstleistungsbereich, da hier gehäuft psychosoziale Risiken wie Stress, Belästigung und Gewalt auftreten.
  • Berufskrankheiten:
      Hautkrankheiten sind die häufigste anerkannte Berufskrankheit für das Jahr 2005 (Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften) (17). Auf Frauen entfallen (2005) nur 29,4 Prozent der anerkannten Berufskrankheiten. Zu den häufigsten anerkannten Berufskrankheiten von Frauen gehören Hautkrankheiten, gefolgt von Infektions- und Atemwegserkrankungen. Die häufigsten anerkannten Berufskrankheiten von Männern sind Lärmschwerhörigkeit, Hautkrankheiten und Asbestosen (18).
  • Frühverrentung:
      Frauen werden häufiger wegen psychischer Erkrankungen frühverrentet, weist die Statistik aus (19). Diese Krankheiten waren 2003 mit 24,5 Prozent bei den Männern und 35,5 Prozent bei den Frauen die häufigste Ursache für Frühberentungen. Bei beiden Gruppen folgen die Erkrankungen des Muskel, Skeletts und Bindegewebes (Frauen: 19,3%, Männer: 20,9%). Die vier Hauptgruppen, nämlich psychische Erkrankungen, Krankheiten des Skeletts, der Muskeln und des Bindegewebes; Krankheiten des Kreislaufsystems und Krebskrankheiten verursachen im Jahr 2003 bei Frauen 78 und bei Männern 75 Prozent aller Frühverrentungen (20). Das Zugangsalter liegt (2003) für Frauen bei 49,2 Jahren, für Männer bei 50,7 Jahren. Das Frühberentungsrisiko ist für weibliche und männliche Arbeiter jeweils größer als für Angestellte (21).
  • Ältere Erwerbstätige:
     Nach Selbsteinschätzungen älterer Erwerbstätiger werden Knochen-, Rücken- und Bandscheibenleiden sowohl bei Männern als auch bei Frauen zwischen 45 und 64 Jahren als häufigste Erkrankungen genannt. An zweiter Stelle stehen bei beiden Geschlechtern Sehschwierigkeiten. Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es bei Ohrenleiden: 55- bis 64-jährige Männer nennen Ohrenleiden rund dreimal so häufig wie gleichaltrige Frauen. Bei der Gruppe der älteren Erwerbstätigen zwischen 55- bis 64-Jahren berichten deutlich mehr Männer als Frauen von einer Mulitimorbidität (Mehrfacherkrankungen) (22).
  • Jüngere Erwerbstätige:
     In der gewerblichen Wirtschaft waren (2003) bei 31 Prozent aller meldepflichtigen Unfälle die Versicherten jünger als 30 Jahre. In dieser Altersgruppe sind die Unfälle größtenteils leichterer Natur. Bei den Arbeitsunfällen im Betrieb mit Todesfolge ergibt sich für die unter 30-Jährigen ein Anteil von 11 Prozent, während 53 Prozent der tödlich Verunglückten zwischen 40 und 59 Jahre alt waren. Leider liegen zur Alterszusammensetzung der Versicherten in der gewerblichen Wirtschaft keine Daten vor, die auf die tatsächliche Unfallhäufigkeit hinweisen (23).
     Nach europäischen Statistiken liegt die Quote der Arbeitsunfälle bei jungen Arbeitnehmern im Alter von 18 bis 24 Jahren um die Hälfte über der jeder anderen Altersgruppe (24). Allgemein ist Fehlverhalten mit 66,6 Prozent der häufigste Grund für tödliche Arbeitsunfälle, weit vor der Ursache technischer Mängel (BAuA, 2004 (25)).
  • Autofahrer:
     Junge Erwachsene verunglücken häufiger als andere Altersgruppen als Pkw-Nutzer. 26 Prozent aller verunglückten und 29 Prozent aller getöteten Pkw-Insassen waren im Alter von 18 bis 24 Jahren. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt allerdings nur 8,2 Prozent. Junge Männer sind stärker gefährdet als junge Frauen: Von den in 2005 verunglückten 18- bis 24-jährigen Pkw-Insassen waren 52 Prozent männlich und 48 Prozent weiblich (26).
  • Essstörungen:
     Junge Frauen sind häufiger als Männer durch Mangelernährung und Essstörungen gefährdet, während junge Männer allgemein zu einer zu hohen Nahrungsaufnahme neigen, wobei die Zahl von jungen Männern mit Anorexie steigt. Junge Frauen haben ihren Nikotin- und Alkoholkonsum dem der jungen Männer angenähert (27).
  • Alleinerziehende Männer und Frauen:
     In Deutschland leben rund 1,4 Millionen alleinerziehende Mütter und Väter. 88 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen. Alleinerziehende Mütter geben mit 24,7 Prozent an, an psychischen Erkrankungen zu leiden. Verheiratete Frauen nennen diese Erkrankung nur zu rund 11Prozent. Nervosität und Niedergeschlagenheit werden von Alleinerziehenden häufiger geäußert als von verheirateten Frauen (28). Die Anzahl der Raucherinnen ist bei Alleinerziehenden fast doppelt so hoch (45,8 % im Vergleich zu 23,6 % der Kontrollgruppe). Der Anteil der regelmäßigen Raucher ist auch unter allein erziehenden Männer mit 48 Prozent größer als unter verheirateten Männern mit 36,2 Prozent (29).
  • Biologisch bedingte Arbeitsbelastungen:
     Untersuchungen zu geschlechtsspezifischen Arbeitsbelastungen stützen sich oftmals noch auf relativ kleine Stichproben. Verschiedene Experten stellen allerdings die Hypothese auf, dass Frauen in Nachtschichtarbeit ein höheres Krebsrisiko als Männer haben, das Fehlgeburtenrisiko durch Nachtschicht höher sei und die Menstruation oft schmerzhafter werde (30) (31).
     Nach einer englischen Umfrage werden in 22 Prozent der Fälle Wechseljahresbeschwerden durch die Arbeit verschlechtert (32). Weniger Stress und eine bessere Arbeitsumgebung wirken sich positiv auf die betroffenen Mitarbeiterinnen aus. Arbeitgeber können für eine bessere Belüftung, Vermeidung trockener Luft, niedrigere Temperaturen, Zugang zu kalten Getränken, genügend Sanitärräume, mehr Sitzgelegenheiten und Pausenräume, bessere Beleuchtung und flexible Arbeits- und Pausenzeiten sorgen.


zur Literatur

infoline Gesundheitsförderung

Ein Informationsdienst des hessischen RKW-Arbeitskreises "Gesundheit im Betrieb"
 

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