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Gesundheitszirkel
Autorin: Ulla Wittig-Goetz

Merkmale eines Gesundheitszirkels:
  • Im Mittelpunkt steht das "Experten"wissen der Beschäftigten um gesundheitlich beeinträchtigende Anforderungen an ihren Arbeitsplätzen.
  • Es werden Vorschläge zur gesundheitsgerechten Arbeitsgestaltung erarbeitet.
  • Eine Kleingruppe trifft sich regelmäßig über einen begrenzten Zeitraum.
  • Für die Leitung sollte eine geschulter ModeratorIn einbezogen werden.
  • Es können unterschiedliche Modelle eingesetzt werden.

Leitidee der Gesundheitszirkel ist die aktive Einbeziehung der MitarbeiterInnen in Planung und Umsetzung betrieblicher Gesundheitsförderung. Als ExpertInnen ihrer Arbeitssituation tragen sie entscheidend zum Erfolg bei.

Die Zirkelarbeit

In diesen Gesprächskreisen treffen sich während der Arbeitszeit acht bis zwölf von ihren KollegInnen gewählte MitarbeiterInnen des jeweiligen Arbeitsbereichs mit einem geschulten möglichst externen Moderator bzw. einer Moderatorin.

Die ersten der rund zehn  stattfindenden Sitzungen sind den Ursachen gesundheitlicher Beschwerden am Arbeitsplatz gewidmet. D. h. die TeilnehmerInnen tragen gemeinsam ihre Erfahrungen mit Belastungsfaktoren wie Stress, Lärm, Zugluft usw. zusammen. Dabei darf kein Thema Tabu sein, also auch "heiße Eisen" gehören dazu, wie das Vorgesetztenverhalten, Mobbing oder ein schlechtes Betriebsklima.

Im weiteren Verlauf stehen technische, ergonomische, organisatorische und personenbezogene Lösungsvorschläge im Vordergrund der ein- bis anderthalbstündigen Diskussionen. Mit ihren Veränderungsideen sollen die Beschäftigten mithelfen, ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Voraussetzungen

Bestandsaufnahme
Wenn im Vorfeld durch einen Gesundheitsbericht und/oder auch durch Mitarbeiterbefragungen gesundheitliche Problembereiche im Unternehmen identifiziert wurden, existiert eine gute Grundlage, um zu entscheiden, in welchen Arbeitsbereichen Gesundheitszirkel besonders wichtig sind. Auswahlgründe können bspw. ein hoher Krankenstand sein oder Abteilungen mit vielfältigen Belastungsfaktoren.

Zusammensetzung:

Gemischte Zirkel
In dem von Krankenkassen in der Vergangenheit praktizierten Konzept gehören dem Gesundheitszirkel neben fünf bis sieben MitarbeiterInnen auch der unmittelbare Vorgesetzte, die Sicherheitsfachkraft, der Betriebsarzt und ein Vertreter des Betriebsrates bzw. Personalrates an. Der Betriebs- bzw. Abteilungsleiter wird häufig zu Beginn und zum Abschluss der Zirkelsitzungen eingeladen, wenn es um die Umsetzung von Verbesserungsvorschlägen geht.
Bei Bedarf können weitere betriebliche ExpertInnen wie der Schwerbehindertenvertreter oder die Frauenbeauftragte hinzugezogen werden. Diese Zusammensetzung soll die Kommunikation aller Beteiligten im Betriebsalltag verbessern, das Expertenwissen aller Seiten bündeln und die Umsetzung der erarbeiteten Vorschläge erleichtern.

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Homogene Zirkel 
Ein anderes Zirkelmodell sieht vor, die Mitarbeiter mit dem Moderator allein zu lassen, da dies eher eine offene und vertraute Gesprächsatmosphäre ermöglicht, wenn über so sensible Themen wie Belastungsempfinden gesprochen wird. Kritiker der gemischten Zirkel verweisen auf die Gefahr einer Expertendominanz und/oder, dass sich Beschäftigte schwer tun, wenn Vorgesetzte dabei sind.

Mischmodelle 
In der Praxis haben sich inzwischen auch Mischmodelle durchgesetzt. Häufig arbeiten die Beschäftigten mit dem Moderator zu Beginn der Zirkel allein. Diese Phase ist beendet, wenn die gesundheitsrelevanten Arbeitsbedingungen aufgelistet worden sind.

Regeln für die Zusammenarbeit 
Vor dem Zirkelbeginn sollten Verfahrensregeln vereinbart werden. Hierzu gehört zum Beispiel, dass die Treffen kontinuierlich stattfinden, sich die gewählten Beschäftigten zur regelmäßigen Teilnahme verpflichten und persönliche Äußerungen im Raum bleiben.
 

Kleinbetriebe
Auch kleinere Betriebe können Gesundheitszirkel einrichten. Dazu eignen sich überbetriebliche Zusammenschlüsse und bspw. Kooperationen mit Krankenkassen und Berufsgenossenschaften zum Beispiel auf Innungsebene.

Ergebnisse der Zirkelarbeit
In der abschließenden Sitzung des Gesundheitszirkels werden die Verbesserungsvorschläge systematisiert. Es ist sinnvoll, einen Umsetzungsplan aufzustellen, der bei der abschließenden Präsentation im Arbeitskreis Gesundheit diskutiert wird. Die Ergebnisse der Arbeit und die beschlossenen Maßnahmen sollten allen Mitarbeitern präsentiert werden.

Umsetzung der Verbesserungsvorschläge 
Der Arbeitskreis Gesundheit entscheidet i.d.R. über die Umsetzung der erarbeiteten Lösungen, setzt die Prioritäten, steuert die einzelnen Maßnahmen und bewertet die erzielten Ergebnisse.

Erfolgskriterium 
Der Erfolg der Zirkelarbeit hängt entscheidend von der Bereitschaft des Unternehmens ab, die Änderungsvorschläge in die Tat umzusetzen. Unter den Beschäftigten kann sich schnell Enttäuschung breit machen, wenn Maßnahmen mit geringem Aufwand zu lange auf sich warten lassen. 
Abgelehnte Vorschläge sollten auf jeden Fall begründet werden. Nach allen bisherigen Erfahrungen kommen von den Beschäftigten i.d.R. meist sehr praxisnahe Lösungsideen, die meist sogar ohne großen finanziellen Aufwand verwirklicht werden können.
 

infoline Gesundheitsförderung

Ein Informationsdienst des hessischen RKW-Arbeitskreises "Gesundheit im Betrieb"
 

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