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Die Luxemburger Deklaration zur betrieblichen Gesundheitsförderung

Definition

Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) umfaßt alle gemeinsamen Maßnahmen von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Gesellschaft zur Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz.

Dies kann durch eine Verknüpfung folgender Ansätze erreicht werden:

  • Verbesserung der Arbeitsorganisation und der Arbeitsbedingungen
  • Förderung einer aktiven Mitarbeiterbeteiligung
  • Stärkung persönlicher Kompetenzen.

Grundlage für die aktuellen Aktivitäten zur BGF bilden zwei Faktoren. Zum einen hat die EG- Rahmenrichtlinie Arbeitsschutz (Richtlinie des Rates 89/391/ EWG) eine Neuorientierung des traditionellen Arbeitsschutzes in Gesetzgebung und Praxis eingeleitet. Zum anderen wächst die Bedeutung des Arbeitsplatzes als Handlungsfeld der öffentlichen Gesundheit (Public Health).

Gesunde, motivierte und gut ausgebildete Mitarbeiter sind sowohl in sozialer wie ökonomischer Hinsicht Voraussetzung für den zukünftigen Erfolg der Europäischen Union. Der zuständige Dienst der Europäischen Kommission hat daher eine Initiative zum Aufbau eines Europäischen Netzwerkes für BGF unterstützt. Diese Initiative befindet sich im Einklang mit Artikel 129 des Vertrages zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft und dem Aktionsprogramm der Gemeinschaft zur Gesundheitsförderung, -aufklärung, -erziehung und -ausbildung innerhalb des Aktionsrahmens im Bereich der öffentlichen Gesundheit (Nr. 645/96/EG). Mitglieder des Europäischen Netzwerkes sind Organisationen aus allen 15 Mitgliedsstaaten und den Ländern des Europäischen Wirtschaftsraumes. Sie sind gleichzeitig nationale Kontaktstellen.

Ziel des Netzwerkes ist es, auf der Basis eines kontinuierlichen Erfahrungsaustausches, nachahmenswerte Praxisbeispiele zur BGF zu identifizieren und zu verbreiten. Die EU ermutigt damit die Mitgliedsstaaten, der BGF einen höheren Stellenwert einzuräumen und Fragen der Gesundheit am Arbeitsplatz bei politischen Entscheidungen mit einzubeziehen.

Die Arbeitswelt befindet sich in einer Phase tiefgreifenden Wandels. Wichtige Rahmenbedingungen sind u.a.:

  • Globalisierung
  • Arbeitslosigkeit
  • wachsende Verbreitung neuer Informationstechnologien
  • Veränderungen der Beschäftigungsverhältnisse (z.B. befristete und Teilzeitarbeit, Telearbeit)
  • älter werdende Belegschaften
  • wachsende Bedeutung des Dienstleistungssektors
  • Personalabbau (Downsizing)
  • wachsender Anteil von Arbeitnehmern in Klein- und Mittelunternehmen (KMU)
  • Kundenorientierung und Qualitätsmanagement.

Zukünftiger Unternehmenserfolg hängt von gut qualifizierten, motivierten und gesunden Mitarbeitern ab. BGF spielt eine entscheidende Rolle dabei, Mitarbeiter und Unternehmen auf diese Herausforderungen vorzubereiten.

Der traditionelle Arbeitsschutz hat durch die Verringerung von Arbeitsunfällen und die Prävention von Berufskrankheiten entscheidend zur Verbesserung der Gesundheit am Arbeitsplatz beigetragen. Dennoch reichen seine Mittel offensichtlich nicht, um dem weiten Spektrum der o.g. Probleme zu begegnen. Unternehmen, die Gesundheit an ihren Arbeitsplätzen fördern, senken damit krankheitsbedingte Kosten und steigern ihre Produktivität. Dies ist das Ergebnis einer gesünderen Belegschaft mit höherer Motivation, besserer Arbeitsmoral und besserem Arbeitsklima.

BGF ist eine moderne Unternehmensstrategie und zielt darauf ab, Krankheiten am Arbeitsplatz vorzubeugen (einschließ-lich arbeitsbedingter Erkrankungen, Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und Streß), Gesundheitspotentiale zu stärken und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu verbessern.

Der Arbeitsplatz beeinflußt Gesundheit und Krankheit auf verschiedene Art und Weise. Wenn Beschäftigte unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen arbeiten müssen, nicht angemessen qualifiziert sind oder nicht ausreichend von Kollegen unterstützt werden, kann Arbeit krank machen. Arbeit kann aber auch die berufliche und persönliche Entwicklung fördern. BGF will diejenigen Faktoren beeinflussen, die die Gesundheit der Beschäftigten verbessern.

Dazu gehören:

  • Unternehmensgrundsätze und -leitlinien, die in den Beschäftigten einen wichtigen Erfolgsfaktor sehen und nicht nur einen Kostenfaktor
  • eine Unternehmenskultur und entsprechende Führungsgrundsätze, in denen Mitarbeiterbeteiligung verankert ist, um so die Beschäftigten zur Übernahme von Verantwortung zu ermutigen
  • eine Arbeitsorganisation, die den Beschäftigten ein ausgewogenes Verhältnis bietet zwischen Arbeitsanforderungen einerseits und andererseits eigenen Fähigkeiten, Einflußmöglichkeiten auf die eigene Arbeit und sozialer Unterstützung
  • eine Personalpolitik, die aktiv Gesundheitsförderungsziele verfolgt
  • ein integrierter Arbeits- und Gesundheitsschutz.

BGF beruht auf einer fach- und berufsübergreifenden Zusammenarbeit und kann nur dann erfolgreich sein, wenn alle Schlüsselpersonen dazu beitragen. BGF kann ihr Ziel "gesunde Mitarbeiter in gesunden Unternehmen" erreichen, wenn sie sich an den folgenden Leitlinien orientiert:

  • Die gesamte Belegschaft muß einbezogen werden (Partizipation).
  • BGF muß bei allen wichtigen Entscheidungen und in allen Unternehmensbereichen berücksichtigt werden (Integration).
  • Alle Maßnahmen und Programme müssen systematisch durchgeführt werden: Bedarfsanalyse, Prioritätensetzung, Planung, Ausführung, kontinuierliche Kontrolle und Bewertung der Ergebnisse (Projektmanagement).
  • BGF beinhaltet sowohl verhaltens- als auch verhältnisorientierte Maßnahmen. Sie verbindet den Ansatz der Risikoreduktion mit dem des Ausbaus von Schutzfaktoren und Gesundheitspotentialen (Ganzheitlichkeit).

Das Europäische Netzwerk für BGF koordiniert den Informationsaustausch und die Verbreitung vorbildlicher Praxisbeispiele in Europa. Seine Mitgliedsorganisationen setzen sich für den Aufbau informeller Netzwerke auf nationaler Ebene ein. Alle Aktivitäten und Prioritäten basieren auf dem Subsidiaritätsprinzip und unterstützen die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedsstaaten. Im Hinblick auf die Herausforderungen der Zukunft und das Ziel, BGF in der Arbeitswelt zu verbreiten, betrachtet das Europäische Netzwerk die folgenden Aufgaben als vordringlich und als Grundlage für zukünftige Aktivitäten:

  • BGF bekannter machen und alle Schlüsselpersonen zur Übernahme von mehr Verantwortung für Gesundheit bewegen
  • Ermitteln und Verbreiten von vorbildlichen Praxisbeispielen
  • Leitlinien für effektive BGF entwickeln
  • das Engagement der Mitgliedsstaaten für die Einleitung entsprechender politischer Schritte sicherstellen
  • die besonderen Anforderungen in der Zusammenarbeitmit KMU berücksichtigen.

Diese Deklaration wurde von allen Mitgliedern des Europäischen Netzwerkes für betriebliche Gesundheitsförderung anläßlich ihres Treffens vom 27. bis 28. November 1997 in Luxemburg verabschiedet.

Belgien
Institute for Applied Psychology
Konstantin von Vietinghoff-Scheel
Avenue de Stalingrad, 23
B - 1000 Brüssel
Tel.: +322 511-2131

Dänemark
Arbejdsmiljøinstituttet
Jørgen Vogensen
Lersø Parkallé 105
DK - 2100 Kopenhagen
Tel.: +45 39 16 52-06

Deutschland
BKK Bundesverband
Europäisches Informationszentrum
Dr. Gregor Breucker
Kronprinzenstr. 6
D - 45128 Essen
Tel.: +49 201 179-1209

Finnland
Finnish Institute of Occupational Health
Work Ability Centre
Dr. Esko Matikainen
Topeliuksenkatu 41 a A
FIN - 00250 Helsinki
Tel.: +358 9 47 47-636

Frankreich
Ministère du Travail et des Affaires Sociales
Francine Paillard
20 bis, rue d’Estrées
F - 75007 Paris
Tel.: +33 1 4438-2649

Griechenland
Ministry of Labour and Social Security
Centre of Occupational Health and Safety
Dr. Elisabeth Galanopoulou
40, Pireos Str.
GR -10182 Athen
Tel.: +301 3214-147

Großbritannien
Health Promotion Wales
John Griffiths
Ffynnon-las, Ty Glas Avenue Llanishen
UK - Cardiff
CF4 5DZ, Wales
Tel.: +44 1222-681225

Irland
Department of Health
Health Promotion Unit
Chris Fitzgerald
Hawkins House
IR - Dublin 2
Tel.: +353 1671-4711

Island
Administration of Occupational Safety and Health
Dagrun Thordardottir
Bildhöfda 16
ICE - Rejkjavik
Tel.: +354-672 500

Italien
Universita degli studi di Perugia
Dipartimento di Igiene
Prof. Lamberto Briziarelli
Via del Giochetto
I - 06100 Perugia
Tel.: +39 75 5853-305

Luxemburg
Inspection du Travail et des Mines
Directeur
Paul Weber
26, rue Ste Zithe
B.P. 27
L - 2010 Luxembourg
Tel.: +352-478 61 50

Niederlande
Centrum Gezondheidsbevordering op de Werkplek
Paul C. Baart
Johan van Oldenbarneveltlaan 9
NL - 2528 Den Haag
Tel.: +31 70 355-2502

Norwegen
Stavanger College
Norwegian School of Hotel Management
Dr. Reidar J. Mykletun
P.O. Box 2557 Ullandhaug
N - 4004 Stavanger
Tel.: +47 51833-754

Österreich
Oberösterreichische Gebietskrankenkasse
Mag.DDr. Oskar Meggeneder
Gruberstr. 77
A - 4020 Linz
Tel.: +43 732 7807-2710

Portugal
Ministério da Saúde
Direcçao-Geral da Saúde
Dr. Emilia Natario
P - 1056 Lissabon
Tel.: +351 1 847-5515

Schweden
Arbetslivsinstitutet
Dr. Ewa Menckel
S - 17184 Solna
Tel.: +46 8-617 0322

Schweiz
SUVA Gesundheitsförderung
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
Volker Grässle
Seilerstr. 3
CH - 3001 Bern
Tel.: +41 31 38733-87

Spanien
INSHT - CNCT
Dr. Maria Dolores Solé
C/Dulcet 2-10
E - 08034 Barcelona
Tel.: +34 3 280-01 02

Koordinationsstelle
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)
Dr. Karl Kuhn
Friedrich-Henkel-Weg 1-25
D - 44149 Dortmund
Tel.: +49 231 9071-242
Fax: +49 231 9071-454

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