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Erkennen und Vermeiden von Gender Bias in der Gesundheitsforschung

Das Berliner Zentrum Public Health hat ein Handbuch des kanadischen Gesundheitsministerium übersetzt, das dort etwickelt wurde um die Mitarbeiter bei der Planung, Durchführung und Evaluation von Forschungprojekten zu unterstützen. Und zwar in einer für beide Geschlechter gerechten und angemessenen Weise, um so die oben genannte Verpflichtung zu erfüllen. Die dort dargestellten Fragestellungen lassen sich auch auf Interventionen im Bereich des Arbeits- und Gesundheitsschutzes sowie der betrieblichen Gesundheitsförderung übertragen soweit es sich um Analysen, vergleichende Betrachtungen und ähnliches handelt.

Jegliche qualitative und quantitative Forschung spiegelt die Werte und Überzeugungen der Forschenden wider. Historisch führte dies zu einer Forschung, in der negative und positive Bedeutungen und Werte den biologischen Unterschieden zwischen Frauen und Männern zugeschrieben wurden. Eine Forschung, die sich auf solchen Vorurteilen über die Geschlechter begründet, benachteiligt Frauen und spezifische Gruppen von Männern auf vielerlei Weise. Auch wenn die Vermeidung von geschlechtsbezogenen Vorurteilen und Fehlern (gender bias) innerhalb der Forschung selbst Vorurteile in anderen Bereichen nicht beseitigen kann, so ist dies doch ein wichtiger Schritt zu mehr Gleichstellung zwischen den Geschlechtern.

Warum ist es wichtig, sich mit Gender Bias zu befassen?

Mehr als je zuvor sind evidenzbasierte Entscheidungen ein fundamentales Prinzip von politischem Handeln. Deshalb ist es besonders wichtig, zu methodisch gesicherten Forschungsergebnissen zu gelangen. Forschung, die Gender Bias enthält, ist der Definition nach schlechte Forschung. Die Tatsache, dass dies lange Zeit die Art war, Forschung anzugehen, ändert nichts an dieser Aussage. Es ist ein erkennbarer Schritt nach vorn, dass wir uns heute der Bedeutung solcher Fehler bewusst werden.

Das kanadische Gesundheitsministerium geht von zwölf die Gesundheit beeinflussenden Determinanten aus:

  • Einkommen und sozialer Status,
  • Bildung,
  • Beschäftigung,
  • soziale Unterstützung,
  • soziale Umwelt,
  • physikalische Umwelt,
  • persönliches Gesundheitsverhalten und Bewältigungsfähigkeiten,
  • frühkindliche Entwicklung,
  • Gesundheitsversorgung,
  • biologische und genetische Ausstattung,
  • Kultur und Geschlecht.

Das Ministerium betrachtet es als seine Aufgabe, Wissen zu jeder einzelnen dieser Determinanten und ihrer Vermittlung zwischen Gesundheitsstatus und Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen zu gewinnen. Geschlecht ist eine dieser Determinanten. Dieses Handbuch hat zum Ziel, die analytischen Fähigkeiten für ein besseres Verständnis und Klärung dieser Zusammenhänge zu stärken.

Welches sind die drei Hauptformen des Gender Bias?

Androzentrismus besteht in der Adaption einer männlichen Perspektive. Diese kann verschiedene Formen annehmen. Eine dieser Formen besteht im Ausschluss oder der Unterrepräsentation von Frauen. Wenn Schlüsse auf der Grundlage solcher Daten gezogen werden, liegt eine unzulässige Generalisierung der erhobenen Daten vor. Andere Formen von Androzentrismus bestehen darin, dass eine an Männern orientierte Norm aufgestellt wird, an der Frauen gemessen werden; das impliziert die Akzeptanz und Rechtfertigung männlicher Dominanz und führt oft zur Schuldzuweisung auf Frauen. Ein spezieller Aspekt von Androzentrismus ist der paradoxe Gynozentrismus, d.h. der Ausschluss von Männern aus Bereichen, die als ‚typisch weiblich‘ angesehen werden.

Geschlechtsinsensibilität liegt dann vor, wenn das biologische und soziale Geschlechts nicht in dem dafür relevanten Kontext wahrgenommen werden. Wichtige Unterformen sind Familiarismus (Haushalt als Bezugsgröße), Dekontextualisierung und die Annahme der Gleichartigkeit der Geschlechter.

Doppelte Bewertungsmaßstäbe treten in zwei Formen auf, offenkundig und versteckt. Sie bestehen darin, dass Situationen, die substantiell identisch sind, für die Geschlechter verschieden behandelt oder untersucht werden. Das schließt Unterformen wie Geschlechterdichotomien (die beiden Geschlechter werden wie zwei gänzlich voneinander getrennte Gruppen behandelt, anstatt sie als zwei Gruppen mit übergreifenden Eigenschaften zu begreifen) und die Verdinglichung von Geschlechterstereotypen (Behandlung von Geschlechterstereotypen als naturgegeben) ein.

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