Hessen
Skip to Content

Qualitätskriterien

Kriterienkatalog zur Beurteilung von Praxisbeispielen zur betrieblichen Gesundheitsförderung

Das europaweite Projekt "Erfolgsfaktoren und Qualität betrieblicher Gesundheitsförderung", das vom Europäischen Informationszentrum koordiniert wird, hat einen Katalog mit Qualitätskriterien entwickelt. Er soll bei der Auswahl vorbildlicher Unternehmensbeispiele in der betrieblichen Gesundheitsförderung helfen und ein Mindestmaß an Vergleichbarkeit zwischen den verschiedenen Partnerländern ermöglichen. Die Kriterien setzen voraus, dass die gesetzlichen Anforderungen zum Arbeitsschutz und zur arbeitsmedizinischen Betreuung erfüllt sind. Sie dienen als Richtschnur, d.h. auch solche Unternehmen sind positiv zu bewerten, die nur einem Teil der Anforderungen entsprechen, aber erkennen lassen, dass sie sich auf einem Entwicklungsprozess gemäß der einzelnen Kriterien befinden.

"Gesundheitsförderliche Organisationen berücksichtigen Gesundheitsfragen ausdrücklich in ihren übergeordneten (langfristigen) Organisationszielen und -strategien und stellen sicher, dass diese Ziele auch zum Bestandteil der alltäglichen Führungspraxis auf allen Ebenen der Organisation werden."

Hierzu gehören nach dem Kriterienkatalog eine schriftlich fixierte Politik zur betrieblichen Gesundheitsförderung (bspw. Betriebsvereinbarungen, Richtlinien für Führungskräfte usw.) und entsprechende Ressourcen (wie Geldmittel, Weiterbildungsmaßnahmen, Freistellung von MitarbeiterInnen). Außerdem lässt sich die Unternehmensleitung kontinuierlich über Fortschritte in dem Bereich informieren und die betriebliche Gesundheitsförderung ist Bestandteil der Aus- und Fortbildung speziell der Führungskräfte.

"Gesundheitsförderliche Organisationen entwickeln einen Plan für die Durchführung betrieblicher Gesundheitsförderungsmaßnahmen. Dieser wird fortlaufend aktualisiert."

Die Planungen müssen laut Qualitätskriterium auf umfassenden gesundheitsrelevanten Informationen basieren, wie Angaben zu Arbeitsbelastungen und Gesundheitsbeschwerden der Beschäftigten, Risikoverhalten, Unfall- und Berufskrankheitengeschehen und zur Analyse krankheitsbedingter Fehlzeiten. Auch die Erwartungen aller betrieblicher Akteure sollen einbezogen werden, und durch wirksame Öffentlichkeitsarbeit alle Beschäftigten die betrieblichen Ziele und Planungen zur Gesundheitsförderung kennen.

In einem zweiten Schritt wurde zur Vorbereitung der Auswahl von vorbildlichen Unternehmen ein Katalog Europäischer Qualitätskriterien für betriebliche Gesundheitsförderung entwickelt. In diesen Katalog sind die BKK-Qualitätskriterien aufgenommen worden. Darüber hinaus wurde in Anlehnung an das Modell des Europäischen Qualitätspreises (EFQM) ein Audit-Instrument entwickelt, das im Rahmen einer Selbsteinschätzung von Unternehmenspraktikern verwendet werden kann. Diese Instrumente sind Grundlage für die Auswahlprozedur und befinden sich gegenwärtig in der Testphase. Den Abschluss des Projektes Mitte nächsten Jahres wird eine internationale Tagung in Deutschland bilden, in deren Rahmen eine Auswahl von Unternehmensbeispielen präsentiert werden wird.

"Gesundheitsförderliche Organisationen gewährleisten durch geeignete Maßnahmen des Personalwesens und der Arbeitsorganisation, dass alle Mitarbeiter über die notwendigen Kompetenzen zur Bewältigung der Arbeitsaufgaben verfügen. Darüber hinaus fördern sie eigenverantwortliches Handeln und Engagement durch eine größtmögliche Beteiligung."

Nach diesem Kriterium verfügen die Beschäftigten über die notwendigen Kompetenzen, um ihre Arbeitsaufgaben zu bewältigen. Das schließt auch gesundheitsbezogene Kompetenzen mit ein, und sie werden ermutigt sich aktiv in Bezug auf betriebliche Gesundheitsförderung zu beteiligen. Die Arbeitsaufgaben sollen so gestaltet sein, dass Unter- und Überforderung vermieden und durch arbeitsorganisatorische Maßnahmen Entwicklungsmöglichkeiten für die MitarbeiterInnen geschaffen werden. Vorgesetzte unterstützen danach ihre Mitarbeiter und sorgen für ein gutes Arbeitsklima. Geeignete Programme fördern die Wiedereingliederung von (erwerbsgeminderten) Beschäftigten nach längerer Arbeitsunfähigkeit. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird bei diesem Kriterium angesprochen und entsprechende arbeitsorganisatorische Maßnahmen zur Unterstützung gefordert.

"Gesundheitsförderliche Organisationen stellen sicher, die die erforderlichen Ressourcen für die Durchführung und kontinuierlichen Weiterentwicklung betrieblicher Gesundheitsförderungsmaßnahmen vorhanden sind."

Der Katalog sieht ein entsprechendes Budget vor und für alle Beschäftigten gesundheitsrelevante Einrichtungen (wie Pausen- und Ruheräume, Kantinen, Betriebssportangebote usw.).

"Betriebliche Gesundheitsförderung umfasst Maßnahmen zur gesundheitsgerechten Arbeitsgestaltung und Unterstützung gesundheitsgerechten Verhaltens."

Nach diesem Kriterium existiert ein Steuerkreis, in dem alle relevanten betrieblichen Akteure eingebunden sind. Dieser plant, überwacht und entscheidet über alle durchgeführten Maßnahmen. Die für die Planung notwendigen Informationen sollen systematisch und kontinuierlich erfasst werden (vgl. Punkt 2), für alle Maßnahmen gibt es quantifizierte Ziele, und sie werden systematisch ausgewertet und kontinuierlich verbessert. Gesundheitsgerechte Arbeits- und Organisationsgestaltung wird verknüpft mit Maßnahmen zur Förderung gesundheitsgerechten Verhaltens.

"Gesundheitsförderliche Organisationen erzielen positive Ergebnisse in allen relevanten Ergebnisfeldern."

Der Kriterienkatalog verlangt den Nachweis einer hohen Mitarbeiterzufriedenheit im Hinblick auf:

  • Arbeitsbedingungen und -organisation,
  • Führungsstil und Beteiligungschancen,
  • Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten,
  • Arbeitsklima sowie
  • Arbeits- und Gesundheitsschutzvorkehrungen

Außerdem sollen in folgenden Bereichen positive Ergebnisse festzustellen sein:

  • Krankenstand und Unfallhäufigkeit
  • Verbesserung belastender Arbeitsbedingungen
  • Nutzung betrieblicher Gesundheitsangebote und Risikoverhaltensweisen (Rauchen, Alkohol, Ernährung und Bewegung)
  • Fluktuation und Produktivität
  • Kosten-Nutzen Bilanz

Auch die Anzahl der eingereichten und der umgesetzten Verbesserungsvorschläge zählt dazu.

"Organisationen ...unterhalten vielfältige Beziehungen zu anderen Organisationen und sind oftmals ein wichtiger Faktor auf örtlicher oder regionaler Ebene. Gleichzeitig tragen sie beispielsweise durch Schadstoffemmissionen erheblich zur Umweltbelastung bei. Gesundheitsförderliche Organisationen handeln sozial verantwortlich, insb. im Umgang mit den natürlichen Ressourcen."

Das letzte Qualitätskriterium zielt auf ein bestehendes Umweltmanagement-System ab, mit dem gesundheitlich belastende Einwirkungen auf die Umwelt begrenzt werden. Auch kommunale bzw. regionale Gesundheitsförderungsaktivitäten (Kinderbetreuung, Breitensport, kulturelle und soziale Initiativen) sind zu unterstützen.

Kontakt

Informationsmaterial zum Europäischen Netzwerk sowie zum Projekt "Models of good Practice" können beim Europäischen Informationszentrum angefordert werden.

Adresse:
Bundesverband der Betriebskrankenkasse
Europäisches Informationszentrum
Gesundheitsförderung im Betrieb
Kronprinzenstr. 6, 45128 Essen
Tel.: (0201) 179 1207 od. 1209, Fax: (0201) 179 1032

© Copyright 2018 - Hessisches Ministerium für Soziales und Integration
Back to top