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Betrieblicher Gesundheitsbericht

Autoren: Ulla Wittig-Goetz und Ferdinand Gröben

Wozu ein Gesundheitsbericht?

Ein betrieblicher Gesundheitsbericht gibt Auskunft über den Gesundheitszustand der Belegschaft und Belastungsschwerpunkte im Unternehmen. Eine Informationsquelle sind die Analysen von Arbeitsunfähigkeitsdaten der Krankenkassen. Verglichen werden die Daten des Betriebs mit Branchendaten oder Regionaldaten.

Die Aussagekraft eines Gesundheitsberichts erhöht sich, wenn weitere Daten, wie Erkenntnisse der Betriebsmediziner, Mitarbeiterbefragungen oder die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteiungen hinzugezogen werden. Diese Bestandsaufnahme erleichtert es, zielgerichtet Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung zu ergreifen. Anzustreben ist die Entwicklung eines kontinuierlichen Berichtswesens.

Betriebliche Gesundheitsförderung sollte durch eine fundierte Analyse der Ausgangssituation vorbereitet werden. Ein betrieblicher Gesundheitsbericht kann Entscheidungsträgern und ExpertInnen gezielte Informationen über Krankheiten in der Belegschaft und über Belastungen sowie Gesundheitsgefährdungen im Betrieb bieten.

Krankenkassen analysieren betriebliche Krankenstände

Als Standardinstrument hatten sich inden letzten Jahren die Arbeitsunfähigkeitsanalysen der Krankenkassen eingebürgert. Dazu werden die Häufigkeit und Verteilung gemeldeter Krankheitsfälle im Betrieb, ihre Dauer und die dazugehörige Krankheitsdiagnose ausgewertet. Die Krankenkasse bspw. verknüpft diese Zahlen unter Beachtung des Datenschutzes mit Unternehmensdaten über die Art des Arbeitsplatzes (Arbeitsbereich/ Kostenstelle), an dem ein Beschäftigter tätig ist. Mit diesen Informationen lassen sich erste Auffälligkeiten im betrieblichen Krankheitsgeschehen ermitteln. Vergleiche der Arbeitsunfähigkeitszeiten und der häufigsten Krankheitsarten mit Durchschnittswerten der Branche sowie betriebsintern zwischen verschiedenen Tätigkeitsbereichen können dazu führen, dass "Problemzonen" herausgefiltert werden, die als Ausgangspunkt gesundheitsbezogener Aktivitäten im Betrieb dienen können.

Grafik Hauptanlässe Arbeitsunfähigkeit im Vergleich
Foto: @ RKW

Aktuelle Anmerkung:

Ein aktuelles Problem in der Nutzung von Gesundheitsberichten liegt in der oft sehr hete­roge­nen Krankenversicherungsstruktur der Betriebe. Seitdem es möglich ist, einfa­cher in andere Kassen zu wechseln, ist es immer seltener geworden, dass die Mehr­heit der Beschäftigten in nur einer oder zwei Kassen versichert ist. Gemeinsame Gesund­heitsberichte lassen sich zwar durch dritte (wissenschaftliche) Institutionen erstellen, sind aber aufwändig und man ist auf das Wohlwollen der Krankenkassen angewie­sen, da für das Zusammenführen der Daten Rohdaten benötigt werden, die Berichte aber normalerweise auf alters- und geschlechtsstandardisierten Daten beruhen.

Die augenblickliche Situation ist nicht zufrieden stellend und erweist sich als umso schwerer, je kleiner der Betrieb ist, da dann die Krankheits­arten nicht ausge­wertet werden, sondern nur die Höhe des Krankenstandes ausgewiesen wird, den auch die Personalabteilung bzw. der Personalverantwortliche ermitteln kann.

Es wird im Einzelfall zu prüfen sein, ob sich der Aufwand lohnt einen Gesundheitsbericht auf der Grundlage der Krankenkassendaten zu erstellen oder ob es besser ist auf einen solchen zu verzichten, da die Aussagekraft zu gering.

Weitere Informationen erhöhen die Aussagekraft

Um den Gesundheitszustand einer Belegschaft angemessen zu erfassen, ist die Analyse der Arbeitsunfähigkeitsdaten allein nicht ausreichend. Die Gesundheit der Beschäftigten kann beeinträchtigt sein, obwohl sie weiterhin zur Arbeit kommen. Hinweise auf Arbeitsbereiche mit hohen Krankenständen lassen noch nicht erkennen, welche Belastungsfaktoren dafür ausschlaggebend sind usw. Deshalb ist es nützlich möglichst viele Informationen zusammenzuführen.

Mögliche Informationsquellen

  • Zahlen zur Fluktuation und über Absentismus
  • Ergebnisse von Gefährdungsbeurteilungen
  • Gefahrstoffkataster vorhandene Messprotokolle z.B. Lärm- und Klimamessungen
  • Ergebnisse betriebsärztlicher Untersuchungen
  • Erkenntnisse aus Betriebsbegehungen und Arbeitsplatzbeobachtungen
  • Erkenntnisse von Berufsgenossenschaften

Mitarbeiter beteiligen

Gerade unter präventiven Aspekten ist es sinnvoll, durch Mitarbeiterbefragungen Gesundheitsbeschwerden und als belastend empfundene Arbeitsbedingungen zu erfassen. Die von Krankenkassen erstellten Analysen stellen ein Hilfsmittel zur genaueren Problemerkundung dar, noch keine Lösung. Dazu sind feinere Analyseschritte notwendig, wie sie bspw. ein Gesundheitszirkel leistet.

Kontinuität

Die Daten sollten regelmäßig erfaßt und ausgewertet werden, um den Gesundheitsbericht regelmäßig fortzuschreiben. Er dient dem Arbeitskreis Gesundheit als Entscheidungsgrundlage und Basis für eine kontinuierliche Bewertung der betrieblichen Gesundheitspolitik. Im Rahmen eines langfristigen Controllings ist es auch sinnvoll die betrieblicherseits bereitgestellten Ressourcen für die betriebliche Gesundheitsförderung und die im jeweiligen Berichtsjahr erfolgten Investitionen in die Gesundheit der Beschäftigten zu berücksichtigen.

Möglichkeiten für Kleinbetriebe

Als besonderen Service gerade auch für kleinere Firmen mit mindestens 20 AOK-Versicherten bietet bspw. die AOK interessierten Betrieben kostenlos Kurzinformationen an über die gesundheitliche Situation ihrer Beschäftigten. Dieses sogenannten AU-Profil (Arbeitsunfähigkeitsprofil) gibt Auskunft über den Krankenstand, die Arbeitsunfähigkeitsquote, d.h. den Anteil der Beschäftigten an der Gesamtbelegschaft, die im Berichtsjahr mindestens einmal krankgeschrieben waren, sowie die Anzahl der Fehltage.

Die Unternehmen erfahren auch, wie sie hinsichtlich dieser Parameter im Vergleich zur Branche, zu den übrigen Betrieben in der Region und im Bundesland abschneiden. Für größere Betriebe mit mehr als 50 AOK-Mitgliedern werden außerdem die häufigsten Krankheiten der Beschäftigten genannt. Aus Gründen des Datenschutzes ist das bei kleineren Firmen nicht möglich.

Die Innungskrankenkassen oder die Ersatzkassen wie die GEK oder DAK bieten branchenbezogene Gesundheitsberichte an, die es auch kleinen Betrieben ermöglichen besondere arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren zu erkennen.

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