Hessen
Skip to Content

Workshop 10a

Bevor die Ermittlung psychischer Belastungen mit einem passenden Instrumentarium in Angriff genommen werden kann, stellt sich für viele betriebliche Praktiker die Frage, was psychische Belastungen sind, welche Rolle sie im Betrieb spielen und wer im Betrieb auf sie einwirken kann. Diese Fragen werden – mit klärenden Praxisbeispielen – im Mittelpunkt des Workshops stehen. Beiträge von:

  • Dr. Helmut Nold, Manuela Östreich (BG Rohstoffe und chemische Industrie): „Beispiele von Gefährdungs- und Belastungsermittlung im Betrieb mit Hilfe einer 4-Felder-Methode“

Moderation: Petra Müller-Knöß (IG Metall)

Vorträge und Diskussionen:

Das Kompetenzcenter ist aus Beschäftigten mit unterschiedlichen Berufsqualifikatio-nen zusammengesetzt und hat die Aufgabe, die Betriebe im Zuständigkeitsbereich der BG RCI zu beraten und bei den Aufgabenstellungen im Arbeits- und Gesund-heitsschutz zu unterstützen.
Im Rahmen der Beratungen zum Themenfeld der psychischen Belastungen bei der Arbeit geht das Kompetenzcenter davon aus, dass es keine monokausalen Zusammenhänge gibt und daher auch die Betrachtung und Analyse der betrieblichen Be-dingungen eine Vielzahl von Einflussfaktoren einbeziehen muss. Dazu verwendet das Kompetenzcenter die sogenannte 4-Felder-Methode. Strukturiert mithilfe von 4 Themenfeldern finden in den Betrieben in Gesprächen mit verantwortlichen Vorge-setzten bzw. Personalverantwortlichen Betrachtungen der betrieblichen Bedingungen statt.

Feld 1 setzt sich mit der Gestaltung der Arbeitsplätze auseinander. Dabei werden unter anderem die Faktoren Lärm, Beleuchtung, Klima, ergonomische Gestaltung der Arbeitsplätze etc. betrachtet.

Feld 2 nimmt die Gestaltung der Arbeitsaufgaben in Augenschein. Hier wird analysiert, ob und wie selbständiges Arbeiten möglich ist, ob und wie die Zeitflexibilität aussieht, wie die demografische Betriebsstruktur sich darstellt usw.

Feld 3 betrachtet die Gestaltung der physischen Faktoren am Arbeitsplatz, d.h. ob es besondere Auffälligkeiten bestimmter Belastungen z.B. Rückenerkrankungen gibt und ob die Bedingungen an den Arbeitsplätzen gesundheitsförderlich gestaltet sind.

Feld 4 setzt sich mit den psychischen Faktoren an den Arbeitsplätzen auseinander. Gegenstand sind Burnout, Mobbing sowie Kommunikation im Betrieb.

Die Faktoren dieser 4 Felder, die hier nur teilweise genannt sind, werden hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Beschäftigten und insbesondere hinsichtlich ihrer mögli- chen Auswirkungen auf die psychische Belastung der Beschäftigten genauer analy-siert. Im Rahmen einer längeren Beratung und Unterstützung der Betriebe werden ausgehend von diesen Analysen erforderliche Schwerpunktsetzungen ermittelt und weitere nächste Handlungsschritte gemeinsam abgeleitet. Ein festes Schema dafür wird nicht verwendet. Zentral ist das Erkennen der Wirkzusammenhänge und der Einflussmöglichkeiten.

Im Rahmen der Diskussion im Workshop wurde immer wieder betont, wie unzureichend die Ermittlung der Arbeitssituation und der Belastungen der Beschäftigten in den Betrieben ist. Gefährdungsbeurteilungen liegen kaum vor. Die Ermittlung psychischer Belastungen spielt fast keine Rolle, obwohl teilweise von erheblichen betrieblichen Problemen berichtet wurde. Als Ursache dafür wurde formuliert, dass die Verantwortlichen in den Betrieben teilweise kein Problembewusstsein haben oder methodisch vollkommen überfordert sind. Berichtet wurde auch, dass Vorgesetzte das Thema auch von sich fern halten, da sie die Konsequenzen aus notwendigen Maßnahmen der Arbeitsgestaltung, des Führungsverhaltens usw. fürchten. Darauf hingewiesen wurde darüber hinaus, dass die Delegation des Themas an externe An-bieter bzw. Beratungseinrichtungen nicht empfohlen werden kann, da eine Rückwir-kung auf die verursachenden betrieblichen Bedingungen nicht gewährleistet ist. Die Probleme sollten vielmehr dadurch gelöst werden, dass die sie verursachenden Bedingungen in den Betrieben verändert werden.

© Copyright 2018 - Hessisches Ministerium für Soziales und Integration
Back to top