Hessen
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Ermittlung und Bewertung psychischer Belastung anhand von Praxisbeispielen

  • H.-Martin Prüße (BG Holz Metall): „Psychische Belastung in der betrieblichen Praxis“

Moderation: Claudia Flake (RP Gießen)

Impulsgebend für die Diskussion während des Workshops waren der Beitrag von Herrn Prüße und die folgenden Leitfragen:

  • Was sollte bei der Auswahl eines Verfahrens zur Ermittlung psychischer Belastung bedacht werden?
  • Was gehört zu einem guten/funktionierenden Prozess der Ermittlung und Veränderung psychischer Belastung?

Was sollte bei der Auswahl eines Verfahrens zur Ermittlung psychischer Belastung bedacht werden?

  • Methodenflexibilität/-vielfalt: In verschiedenen Arbeitsbereichen sollten ggf. unterschiedliche Verfahren eingesetzt werden. Bei einer kleinen Mitarbeiteranzahl oder bei Sprachbarrie-ren eignen sich Gruppeninterviews oder persönliche Gespräche eher als eine schriftliche Befragung per Fragebogen.
  • Angemessenheit: Aufwand und Nutzen müssen sich die Waage halten. Es empfiehlt sich, ein zweistufiges Vorgehen zu wählen. In der ersten Stufe sollte ein orientierendes Verfahren eingesetzt werden, um kritische Arbeitsbereiche und Belastungsfaktoren zu identifizieren. Diese werden dann in einem zweiten Schritt einer genaueren Analyse unterzogen, um Maßnahmen zu Verbesserung zu entwickeln.
  • Nicht Macht, sondern Inhalte zählen: Teil der Ermittlung und Veränderung psychischer Belastung ist auch immer eine betriebspolitische Diskussion, in der die verschiedenen betrieblichen Akteure versuchen, ihr Positionen und Vorstellungen umzusetzen. Dies birgt die Ge-fahr, dass Untersuchungen inhaltlich überladen oder Themen bewusst ausge-schlossen werden. In der LV 31 (siehe Modul 4 und Modul 7) ist eine Liste mit belastungsrelevanten Tätigkeitsmerkmalen wiedergegeben, die diesbezüglich eine gute inhaltliche Orientierung bietet.
  • BAuA-Toolbox: Die Tool-Box der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) bietet eine Übersicht verschiedener Verfahren. Die Verfahren werden u.a. nach deren Analysetiefe und den qualifikatorischen Voraussetzungen für deren Anwendung differenziert. (www.baua.de)
  • Anonymität & Vertraulichkeit: Anonymität und Vertraulichkeit ist eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen vieler Mitarbeiterbefragungen.
  • Die Analyse der Belastungen um die Frage nach Ressourcen erweitern: Es empfiehlt sich, zu der psychischen Belastung auch die Ressourcen am Arbeitsplatz zu erfassen („Was läuft gut am Arbeitsplatz? Wo sind die Stärken und Vorteile dieser Arbeit? Was motiviert bei der Arbeit?). Die Ressourcen sollten erhalten, gestärkt und ggf. weiter ausgestaltet werden.
  • Psychische Belastung und psychische Beanspruchung sind zu unterscheiden: Mit psychischer Belastung sind die Anforderungen und Einflüsse gemeint, die auf die Beschäftigten wirken. Psychische Beanspruchung beschreibt die Wirkung dieser Anforderungen und Einflüsse. Bei der Ermittlung psychischer Belastung stehen die Arbeitsbedingungen (u.a. Arbeitsaufgabe, Arbeitsorganisation, Arbeitsmittel) im Fokus, bei der Beanspruchung die Wirkung auf den Menschen (z.B. auf sein Denken, Fühlen, Verhalten).
  • Bewertung psychischer Belastung: Für psychische Belastung gibt es keine Grenzwerte. Allerdings beinhalten viele Verfahren Bewertungsschemata, die dem Anwender aufzeigen, bei welchen Ergebnissen Handlungs- und Verbesserungsbedarf besteht. Um für die Bewertung einen Vergleichsmaßstab zu erhalten, können auch die Ergebnisse verschiedener Arbeitsbereiche miteinander abgeglichen werden (Relativbewertung). Die Bewertung kann auch durch die Beschäftigten selbst erfolgen („Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf?“), z.B. als Frage in einem Workshop oder moderierten Gruppeninterview (arbeitsbereichsspezifische Prioritätensetzung) Die Bewertungsmöglichkeiten sollten bereits in der Planungsphase diskutiert und diesbezüglich Einigkeit hergestellt werden.
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